Konfettihaus
Konfettihaus

Ein leises, lautes Hallo…

Als wir Ende Februar 2020 aus Südafrika zurückkehrten, wusste ich, was ich wollte. Ich hatte einen Plan im Kopf, eine Vision. Am Ende der Vision saß ich, mit einem faltigen Gesicht, auf einer Bank und führte eine kleine Hundepension.

Wie ich ausgerechnet auf eine Hundepension komme? Keine Ahnung. Ich plane überhaupt keine Hundepension, aber es war eben dieses Bild im Kopf, wohin mich mein Leben eventuell mal führen könnte. Und diese visuelle Vorstellung, meinen Lebensabend inmitten von Hunden zu verbringen, stellte mich irgendwie sehr zufrieden.

Um ehrlich zu sein, schreibe ich mit einem Kloß im Hals, wenn ich die letzten 24 Monate Revue passieren lasse. Lässt man die Gefühle zu, übermannen sie einen manchmal und erst dann wird mir richtig bewusst, welch ein auf und ab das war. Noch immer ist.

Gestern ging ich um 21 Uhr ins Bett. Ich war todmüde. Zu müde für jedes Wort oder auch nur irgendeine Bewegung. Ich las ein paar Zeilen, legte das Buch beiseite und ließ meinen Gedanken freien Lauf, bevor mir die Augen zufielen.

Vermutlich atmete ich tief durch mit dem Wunsch, dass heute früh die Welt einfach besser aussieht und der schwarze, schwere Schleier sich verflüchtigt hat.

8 Stunden Schlaf und ich schaute trotzdem müde in den Spiegel. Der Schleier war noch da.

9 Uhr der erste Termin. Beim Jobcenter. 20 Minuten Fahrt zeigt das Navi an und während es draußen regnet, hänge ich meinen Gedanken des gestrigen Abends nach. Ich war frustriert und wütend über das Leben an sich. Ist es das worum es geht? Jeden Tag alles zu geben, erschöpft ins Bett zu fallen und einfach immer weiterzumachen? Unermüdlich? Was erwartet mich, wenn die Kinder aus dem Haus sind? Welchen Platz darf ich einnehmen und wenn ja, wann finde ich ihn?

Mir liefen die Tränen im Auto. Denn genau das war es. Ich kenne meinen Platz im Leben nicht. Nicht mehr jedenfalls. Ich weiß nicht, wo ich hingehöre und habe Schwierigkeiten den Weg zu einem Ort zu finden, der noch nicht mal in meinem Kopf existiert.

Ich bin ins falsche Jobcenter gefahren. Eine freundliche Mitarbeiterin hilft mir weiter und ich fahre zur nächsten Adresse. Ich bin 30 Minuten zu spät. Ich hasse Verspätungen. Ich parke im Parkverbot und klemme mir den Arm, schmerzhaft, im Fahrstuhl.

Das Gespräch ist voller Empathie. Ich möchte mich kurz in die Arme dieser Frau legen, weinen und mich dafür bedanken, dass sie keinen Druck ausübt. Sie gibt mir lauter Unterlagen und Tipps und ich finde langsam wieder Halt unter meinen Füßen.

Zum ersten Mal, seit langem, verspüre ich das Bedürfnis zu schreiben. Ich möchte mich, mit den leiseren Zwischentönen, mitteilen. Die Dinge, die man nicht in kurzen Sätzen oder bunten Fotos wahrnimmt.

Also zurück zum Anfang.

Als wir Ende Februar 2020 aus Südafrika zurückkehrten, wusste ich, was ich wollte. Ich hatte einen Plan im Kopf, eine Vision. Am Ende der Vision saß ich mit einem faltigen Gesicht auf einer Bank und führte eine kleine Hundepension….

Es kam anders.

Die letzten beiden Jahre waren begleitet von einem Lernprozess, den ich mir gern manchmal erspart hätte. Aber es war eben auch ein Lernprozess in eigener Sache.

2018 habe ich Konfettihaus als Domain gesichert. 2022 wird es mein neues Zuhause im Internet. Physisch bin ich schon 2016 aus dem familiären dreiraumhaus ausgezogen (denn so entstand ursprünglich mal der Name) und nun ist es an der Zeit das auch auf all den anderen Kanälen zu tun. Schritt für Schritt und so wie es meine gesundheitliche Verfassung zulässt.

Es ist also kein Neuanfang oder ein „sich neu erfinden“. Es ist eine leise Veränderung. Eine Rückkehr zu etwas, was mir selber viel Freude bereitet hat. 3 Schritte zurück, um die Sicht frei zu machen auf diesen imaginären Platz, der irgendwo auf dieser Welt auf mich wartet.

Eure Andrea

7 Kommentare

  • Monika

    Oh liebe Andrea ♡, das lässt mich auch wieder grübeln und nachdenken.
    Eine Hundepension, etwas mit Hunden, Hundefriseurin, oder einfach etwas mit Hunden . Schon lange mag ich Hunde lieber ………
    Ich bin schon so lange eher leise bei dir und verfolge deinen Weg. Du machst das alles wirklich gut, du bist genug und du bist wichtig ❤️ ich drücke dich ganz fest

  • Ivonne

    Meine liebe Andrea!
    Wie froh ich bin, ein wenig Zeuge sein zu dürfen bei diesem, manchmal leisen, manchmal lauten Wandel.
    Und dem so oft inspirierenden Zusammentreffen im Konfettihaus.
    Sister from another mister , ich umarme Dich!

  • Annie

    Liebe Andrea,
    Ich kann es so nachvollziehen und Du bist mit Deinen Projekten so mutig voran gegangen.. Dafür bewundere ich Dich.

    Diese tiefe Sehnsucht, was wäre, wenn ich beruflich etwas machen würde, was mich erfüllt.. die treibt mich schon lange. Die Arbeit mit Tieren, allein bei dem Gedanken, geht mir das Herz auf.

    Die Hitze des lauten, stressigen Berlin – das will ich nicht mehr. Bin 50 geworden. Also eine Entscheidung – ich ziehe im Dezember nach Schleswig-Holstein. Auf einen Dreiseitenhof, eine Einliegerwohnung mit Garten und Blick über das Feld. Ein paar Kilometer zur Ostsee. 2 Gänge runter schalten. Tief durchatmen können.
    Wir wissen nicht, wie alt wir werden dürfen.

    Morgen das 2. Personalgespräch, ob sie mich mit Homeoffice behalten wollen… und wenn nicht… dann eben was anderes.
    Es wird sich finden.. ganz bestimmt.

    Bitte fühl Dich umarmt.
    Liebe Grüße Annie

  • Tatjana

    Liebe Andrea,
    ich mag deine Art zu schreiben und höre dir aber auch gerne zu. Das hört sich alles sehr interessant an und ich bin gespannt wo die Reise hingeht. Ich werde weiterhin eher leise, manchmal einen Kommentar schreiben, deinen Weg verfolgen!
    LG Tatjana

  • Annegret Ortling

    Hallo Andrea. Aus der Ferne verfolge ich mit großem Interesse schon länger Deine Wege auf der Suche nach dem für Dich richtigen Platz bei und nach Veränderungen im Leben. Vielleicht ist es tatsächlich ein Platz auf dem so oft angeführte ‚Weg zum Ziel‘ und sicher haben wir die Chance auf unserem Weg den für uns richtigen Platz zu finden – oder er findet uns. Für einen Wimpernschlag, eine Minute, ein Aperölchen, eine Stunde, einen Tag…….. Ich weiss es natürlich auch nicht, denke aber mein richtiger Platz ist da, wo ich meine Augen schliesse, auf- und durchatmen, lächle und zufrieden glucksend Glücksgefühle habe. Ich wünsche Dir ganz viele solcher Momente auf Deinem über und über mit Konfetti bedecktem Weg, wohin auch immer er Dich führen wird. Alles Glück für Dich!

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